Im Ballon unterwegs:
Thailand aus der Vogelperspektive
Hamburger Unternehmen lädt zu einer exklusiven Reise nach Asien ein - Abenteuer-Tour führt durch touristisch unerschlossene Gebiete
DIE WELT - Hamburg Reise,
Von Annette Ellermann,
Mittwoch 16. Juni 1999, Seite 42
Jules Verne hätte an dieser Reise wahrscheinlich seine Freude gehabt, auch wenn sie sich nicht der wissenschaftlichen Forschung, sondern dem puren Vergnügen verschreibt: Das Luftfahrtunternehmen "Ballons über Hamburg" lädt zu einer Ballonfahrt über Thailand ein und nimmt für eine solche Abenteuer- Tour in Asien erstmals Passagiere mit an Bord. Drei Jahre ist in mühevoller Kleinarbeit vorbereitet worden, was im November starten wird.
Die Route ist ausgeguckt, Start- und Landeplätze sind abgesteckt, komplizierte Genehmigungsverfahren mit den thailändischen Behörden abgeschlossen, Hotels ausgesucht. Zwei Routen sind dabei entstanden. Die erste Tour vom 10. bis 24. November führt durch den Norden Thailands entlang der burmesischen Grenze über Tak, Sawankhalow, Sukhotai, Lamphang, Chang Mai, Wiang Pa Pao, Chiang Saen, Chang Rai nach Bangkok. Die zweite Strecke vom 24. November bis 11. Dezember 1999, die Isaan-Tour, umfaßt den Nordosten Thailands. Kleinere Orte, zum Teil touristisch noch völlig unerschlossen, sollen hier im Mittelpunkt stehen.
Wenn im November ein knappes Dutzend Reiselustiger den kühlen Temperaturen Norddeutschland vorübergehend adieu sagt und ins 25 bis 30 Grad warme Thailand aufbricht, werden die Teilnehmer eine Reise antreten, die eine wohl einmalige Mischung aus Erholung und Kultur-Trip wird.
Denn die Eindrücke, die sich aus der Luft ergeben, werden durch Ausflüge per Reisebus ergänzt. "Dahinzuschweben über die Reisfelder, den atemberaubenden Blick der 'Stadt der Glückseligkeit (Sukhotai) aus der Vogelperspektive erleben - das ist eine Sensation", schwärmt Gaby Liehmann, Inhaberin von "Ballons über Hamburg". Abgehoben von ausgetretenen touristischen Pfaden wird nicht nur der Wunsch der Hamburger Luftfahrer Richtung und Ziel bestimmen. Die Thermik, die für jeden Ballonreisenden entscheidend ist, hat schließlich auch noch ein Wörtchen mitzureden. Doch auch darauf ist das hanseatische Unternehmen bestens vorbereitet. Klimatisierte Busse begleiten die Ballonfahrer - macht der Wind nicht mit, können die Gäste trotzdem bedenkenlos dahinschweben und erreichen ihr Hotel per Bus.
Streßfrei soll diese Reise für die Passagiere ohnehin werden. Eigentlich müssen die Urlauber nur ihre Koffer packen und sich ins Flugzeug setzen. In Bangkok angekommen, erledigt den Rest die Crew, die mit den aus Deutschland mitgebrachten Ballons auf ihre Passagiere wartet: "Wir transportieren das Gepäck von Ort zu Ort, von Hotel zu Hotel. Das Ballonfahren soll am Tag nicht länger als zwei bis drei Stunden dauern, der Rest steht für Erkundungen zur Verfügung. Gestartet wird in den frühen Morgenstunden, dann ist der Wind am besten", sagt Gaby Liehmann.
In diesem Land voller Gegensätze werden wir das große Glück haben, uns am Himmel fast alleine zu bewegen, denn in Thailand wurde das private Fliegen erst 1990 legal", erzählt die Chefin. Ballons gehören also keineswegs zum Alltag der Thailänder, "für viele waren wir regelrechte Monster, als wir die Tour im vergangenen Jahr absteckten, aber wir wurden überall freundlich empfangen", sagt die Ballon- Expertin. Auch das erinnert an die Abenteuer à la Jules Verne, doch hoffen die Hamburger Planer, daß der Wettergott ihnen wohlgesonnener ist als den Romanhelden in Vernes "Fünf Wochen im Ballon".
Mehr Informationen zu diesen Reisen, die inklusive Flug, Hotelunterkunft in 5- Sterne- Häusern und Fahrten rund 12.000 Mark kosten, erteilt "Ballons über Hamburg", Schrammsweg 25, Telefon 040 / 48 46 77.
Mit einem Deko-Shop fing alles an
An den 2. Juni 1992 erinnert sich Firmenchefin Gaby Liehmann besonders gut. An diesem Tag nämlich erhielt sie die Genehmigung für ihr Unternehmen "Ballons über Hamburg", ein eingetragenes Luftfahrtunternehmen, das inzwischen 17 Leute beschäftigt. Auch die Vorgeschichte zeugt vom Unternehmergeist der Hamburgerin: 1989 startete sie mit einem Ballon-Shop in Eppendorf, dekorierte kleine und große Feste mit kleinen und großen Ballons. Und weil immer mehr Kunden fragten, ob sie auch Ballonfahrten organisiere, sagte sie sich irgendwann: "Warum eigentlich nicht?" Zuerst vermittelte sie zwischen Fahrgästen und Piloten. 1992 war sie mit dem Eintrag in die Luftfahrtrolle am Ziel ihres Ballonfahrer-Traums.
DIE AUFSTEIGER
[MOPO - Hamburger Morgenpost 01.07.99]
von Andreas Trebusch
Die Fahrt dauert nur zwei Stunden, aber es ist ein Erlebnis für die Ewigkeit: Mit dem Heißluftballon in 400 Metern Höhe über Hamburg "It wants to be free, it wants to go", schreit Pilot Dee, als der Korb auf der Moorweide abhebt. Er steigt! Das geht ganz sanft. Und die winkenden Menschen auf der Erde werden immer kleiner. Die Abendsonne funkelt auf dem Elbwasser, ein leichter Fahrtwind mischt sich mit der Hitze der Flamme, die alle zehn Sekunden "schschscht" macht. Alster, Fernsehturm - 40 Kilometer Sicht und strahlend blauer Himmel.
Von oben sieht Hamburg so niedlich aus, daß man es wie einen Falkplan zusammenfalten möchte, um es mit nach Hause zu nehmen.
Der Engländer Dee Shapland (44) kennt die halbe Welt aus dieser Ballonperspektive. Für das neue Jahrtausend plant er eine Atlantiküberquerung. Seit drei Jahren geht der Abenteurer für Ballons über Hamburg in die Luft. Etwa tausend Mal hat er einen Ballon gesteuert, ein Viertel seiner Trips ging durch die Hamburger Lüfte.
An Bord, in den fünf voneinander abgetrennten Kammern: Elf Passagiere, die meisten zwischen 50 und 60 Jahre alt. Sie haben die Fahrt zum runden Geburtstag geschenkt bekommen. Im Schnitt 400 Mark kostet das Ticket. Bei Horst Guicking war es das Familienpräsent zum 65. Geburtstag. Dee hat dessen Curslacker Haus auf der Karte als möglichen Landeplatz eingezeichnet: "Horst´s House".
Der Ballon gleitet in 400 Meter Höhe über Dachgärten und Klärwerke. Geschwindigkeit: 10 Knoten (16 Kilometer pro Stunde). "Unglaublich", sagt Horst. Schweigen, nur das Geräusch der S-Bahn. Als die Gondel nach eineinhalb Stunden über den Südwesten Hamburgs schwebt, ist der Fernsehturm am Horizont ganz klein geworden. Rehe springen durch die Felder, und Hasen schlagen ihre Haken. Dee geht tiefer.
Statt "Horst´s House" steuert er eine Wiese an. Der 8000 Kubikmeter große Ballon nähert sich der Erde, Dee ruft "Landing position!". Alle Mitfahrer wissen, was das heißt: Runter in die Knie, Hände in die roten Schlaufen. Jetzt hilft nur noch beten. "Wumm". Die Gondel setzt ruppig auf, schaukelt, als wolle sie kentern. Dee: "Sorry, sorry."
Als der Korb stillsteht und alle noch kniend kauern, dröhnt es von draußen: "Mmmmuh". Junge Kühe nähern sich dem Korb, und das halbe Dorf Neuengamme läuft auf der Wiese zusammen. Dee schenkt Sekt aus und schlägt die Ballon-Novizen zu Rittern der Lüfte. Diese zwei Stunden unter der Sonne vergessen sie nie. Zwei Stunden Ewigkeit.
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Mölln (pm). Mittwoch, 3. Mai
Majestätisch erhob sich der vom Piloten gesteuerte Heißluftballon mit seinen zwölf Fluggästen vom Waldsportplatz in Mölln. Endlich, denn bereits mehrmalls musste der Flug der Ballonbetreiberin Gaby Liehmann aus Hamburg und des englischen Piloten Dee Shapland, die das abendliche Event in einer Kooperation mit der Möllner Kurverwaltunganboten, abgesagt werden. Diesmal stimmte die Windrichtung, und auch die Flugbehörde, die den Luftraum überwacht, gab grünes Licht. War einem anfangs noch etwas mulmig zumute, verschwand dieses Gefühl schnell, um einer ungeahnten Freude Platz zu machen, als Mölln bei besten Witterungsbedingungen unterm Korb sichtbar wurde.
Hoheluft Brücke, August 2004

Wochenlang verhindert das miese Wetter den Start unseres Fluges mit dem Fesselballon Antaris. Doch dann kommt der Anruf von Gaby Liehmann: Heute kann es losgehen,um 19.45 Uhr beim Volksparkstadion. Wir haben Glück.Die Sonne scheint und die geringen Bodenwinde lassen einen Start des Giganten zu. Am Startplatz angekommen erwarten uns neben Pilot Dee Shapland, Sven und Rüdiger, zwei Mitglieder der Crew,die die Fahrt am Boden mit zwei VW-Transportern begleiten werden,um uns dort einzusammeln,wo der Wind uns hinträgt.
Nicht nur die Ungewissheit unseres Zielortes, sondern vor allem die Frage nach Höhenangst, lässt einige der 11 Passagiere munter losplaudern und andere schweigen, während die Crew mithilfe einiger Mitfahrer und Schaulustiger das Tuch des Fesselballons auf dem Boden ausbreitet. Wie wird es sein, wenn wir in 250 bis 400 Metern Höhe über dem Meeresspiegel auf Fernsehturm, Alster und Elbe hinabblicken? Höhenangst gibt es beim Fesselballonfahren nicht, weiß Gaby Liehmann sicher: Die gibt es nur, solange man Bodenkontakt hat, an einem Kran hängt oder von einem hohen Gebäude in die Tiefe guckt. Ich würde sonst selbst niemals fliegen. Die Wochen des ewigen wiederholten Verschiebens des Starts tragen anfänglich nur zur Angst bei. Jeder kennt jemanden, der jemanden kennt, der
, winkt der mit 1500 Flugstunden sehr erfahrene Pilot Dee auf der Rückfahrt im Kleinbus ab: Das ist wie mit der Vogelspinne in der Yucca- Palme! Hier auf dem Parkplatz vor dem Volksparkstadion ist der Mut wieder da. Es kommt sogar Vorfreude auf. Mithilfe zweier Ventilatoren füllt sich der Ballon langsam mit Luft. Der Korb in dem später alle Passagiere Platz finden sollen, liegt noch auf der Seite, damit Dee aus den Brennern heiße Luft nachfüllen kann. Eben noch bedeckte die Hülle eine Wiese, neben der ein paar Freizeitkicker unbeirrt versuchen, zu spielen wie die griechische Nationalmannschaft. Dann richtet sich das rot-weiße Ungetüm auf. Wie ein wankender Riese taumelt der Ballon an Seilen gehalten von einer Seite auf die andere.
Der Engländer Dee gibt den Passagieren genaue Anweisungen, wie sie sich bei Start und Landung verhalten sollen. 29 Meter ragt der Ballon in die Höhe, gehalten von einem Tau, das die Bodencrew an einem der Transporter befestigt hat. Alle Passagiere gehen an Bord. Noch zwei, drei schwankende Bewegungen, dann klinkt Dee das Seil aus und wir schnellen in die Höhe, über uns die Öffnung des Ballons, unter uns das kleine Volksparkstadion, um uns herum blauer Himmel. Inzwischen wissen wir, dass wir besonderes Glück haben: Der Wind wird uns über die ganze Stadt in Richtung Bergedorf tragen. Die ideale Strecke. Etwa eine Stunde wird die Fahrt dauern. Jetzt in der Luft schweigen alle. Vollkommen ruhig und gleichmäßig schweben wir über die Bahrenfelder Trabrennbahn, im Hintergrund taucht bereits die Elbe auf. Eimsbüttel, Hoheluft und Eppendorf überqueren wir am südlichen Rand, unter uns der Wasserturm im Schanzenpark, das Heiligengeistfeld, der Fernsehturm. Wir haben einen fantastischen Blick auf die Elbe, den Hafen, der sich tief ins südliche Hinterland erstreckt. Alles ist ruhig. Nur der Brenner, den der Pilot von Zeit zu Zeit betätigt, unterbricht lautstark die Stille. Gerüche, die den Schornsteinen entsteigen, nehmen wir kaum wahr. Die Sonne am Horizont wirft ein traumhaftes Licht auf Hamburg. Der lange Schatten des Fernsehturms durchschneidet die Binnenalster. Postkartenmotive, nichts als Postkartenmotive, wo der Blick auch hinfällt. Selbst der Hafen verliert ein bisschen seinen industriellen Charakter, weil die Elbe mit ihrem natürlichen Verlauf seine Form bestimmt.
Schon fast bei den Elbbrücken angekommen, taucht ein kleines schwarzes U-Boot unter uns auf. Für einen Moment fühlt man sich wie Burt Lancaster in dem FilmklassikerDer Rote Korsar von 1952 und der Anblick der neuen Haftanstalt unter uns verstärkt das Gefühl, auf verwegener Flucht zu sein. Anders als in der Filmszene der Piratenkomödie als sich Burt Lancaster und sein Partner Ojo, gespielt von Nick Cravat, mit einem Fesselballon auf die Flucht begeben, wirft keiner mit kleinen Nitroglycerinbomben. Noch immer sind alle Passagiere von der Stille beeindruckt, auch wenn pausenlos auf den Auslöser der mitgebrachten Kameras gedrückt wird. Jeder will diesen Moment festhalten. Dee hält während des ganzen Fluges Kontakt zur Crew und zum Hamburger Flughafen, der uns stets im Blick hat. Für einen kurzen Moment tauchen unter uns die Begleitfahrzeuge auf, bevor wir sie wieder aus den Augen verlieren. Immer ländlicher wird die Gegend unter uns, mal Reihenhaussiedlungen, mal Villen mit Swimmigpool. Aus der Vogelperspektive wirkt Hamburg klein. Inzwischen fahren die Autos mit Licht, während wir noch die letzten Sonnenstrahlen genießen. Jetzt beginnt Dee, sich nach einer Landemöglichkeit umzusehen. Langsam sinkt der Fesselballon von über 480 Metern auf 150 Meter Höhe. Menschen am Boden winken, ein Hund bellt und Pferde auf Weiden preschen auseinander. Fast zehn Minuten dauert es, bis Dee eine Wiese ausmachen kann, auf der wir aufsetzen können. In dieser Zeit schweben wir nur knapp über Baumkronen hinweg. Fast könnte man abspringen. Jetzt gehtalles ganz schnell: Alle in die Landeposition! Als eine Passagierin nicht sofort reagiert, wird Dee kurz laut. Auf einer schmalen Wiese, direkt neben einem Rübenacker setzen wir mit einem Krachen auf. Zwei Meter weiter kommt der Ballon dann mit einem kleinen Hopser zum Stehen. Aus einem Hochstand beobachtet ein überraschtes Paar das eigentümliche Schauspiel. Ein paar Passagiere steigen auf Anweisung des Piloten aus und schieben und ziehen den 1,7 Tonnen schweren Koloss Antaris knapp über dem Boden schwebend etwa fünfzig Meter bis zum nächsten Feldweg, wo die Crew eintrifft.
Gemeinsam wird der Ballon wieder eingepackt und der Korb auf einen Anhänger gehievt. Jetzt ist es fast dunkel. Bei Kerzenschein und einem Glas Sekt bekommt jeder Fluggast eine Urkunde überreicht. Dee spielt bei der Übergabe eine Fanfare auf einem ziemlich verbeulten Horn. Müde und sehr beeindruckt klettern alle auf der Wiese bei Eschburg in die Busse und treten schweigend die Rückfahrt in die Stadt an. Plötzlich ist das Volksparkstadion wieder groß.
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